Nellys Tagebuch - eine Katze erzählt aus ihrem Leben: "Frauchens 21. Geburtstag" (Teil 3)

Dieses Thema im Forum "Fellkinder" wurde erstellt von Kraeuterhexe75, 14.02.12.

  1. 14.02.12
    Kraeuterhexe75
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    Kraeuterhexe75

    Nellys Tagebuch – eine Katze erzählt aus ihrem Leben:

    „Frauchens 21. Geburtstag“ (Teil 3)


    An einem Samstag, Ende November 1996:

    Vor ein paar Tagen hatte Frauchen Geburtstag – sie ist 21 Jahre alt geworden.
    Ob ich auch mal so alt werde?!? Als Hauskatze könnte ich es schaffen; na, mal sehen… heute ist erst mal Party angesagt. Was das genau heißt, weiß ich noch nicht, aber so viel habe ich verstanden: am Nachmittag kommt erst meine Katzen-Omi vorbei und sie bringt den Archi mit: den kenne ich bisher nur aus Erzählungen; soll aber ein ganz friedlicher Vertreter der Gattung Hund sein; genauer gesagt ein Beagle; ob das so´n Snoopy ist wie ich ihn schon mal als Comic gesehen habe?!? Und dann kommt noch Frauchens Großmutter dazu. Die Mädels werden zusammen Kaffeetrinken und plauschen.
    Am Abend – wenn die Generation 50+ dann gegangen ist - kommen 5 von Frauchens Freundinnen vorbei. Sie wollen zusammen essen und später noch gemeinsam auf die Piste gehen (hhhmmm, Rodeln im norddeutschen Flachland?!? Und draußen liegt nicht einmal Schnee!
    Na, die werden schon wissen was sie tun…).

    Frauchen backt summend in der Küche einen Kuchen – es duftet köstlich! Der Kaffee läuft durch die Kaffeemaschine und Punkt 16.00h klingelt es an der Wohnungstür. Da stehen sie im „Dreier-Pack“ = Frauchens Großmutter, meine Katzen-Omi und der Archi an der Leine. Die behält er zunächst auch noch um. Die Menschen wollen sehen wie wir uns vertragen. Na, dann mal alle rein in die gute Stube… ich natürlich vorweg! Archi an der Leine ziehend hinterher. Ich glaube zwar nicht, dass der mich fressen will (meine Katzen-Omi sagt, dass Archi sich mit Miezies auskennt; er sei mit einer Siam-Katze aufgewachsen, aber der sieht mir schon ziemlich ausgewachsen aus und seine Kinderstube ist bestimmt schon ein paar Tage länger her…), aber hoch oben auf meinem Plateau des Kratzbaums fühle ich mich doch erst mal sicherer. Den will ich mir von hier oben erst mal genauer ansehen: Archi, geb. am 03. November 1987, wohnhaft bei Katzen-Omi seit 27. Januar 1988, momentanes Alter: 8 Jahre; Aussehen = niedlich -> schlanker Körperbau, 3-farbige Fellzeichnung, liebes Gesicht, schöne Schlappohren (wenn er die schüttelt, dann „stürmt´s in meinem Fell; solch einen Wind kann der mit seinen Lederlappen machen…). Scheint ein Netter zu sein. Seine Neugier lässt ihn immer wieder in meine Richtung sehen. Ich tue so als würde ich dösen und wenn er mal nicht hinsieht, dann begucke ich ihn mir ganz genau. Sieht doch eigentlich recht harmlos aus wie er da so auf dem Teppich neben Sessel liegt, in dem meine Katzen-Omi sitzt. Zu der möchte ich gerne mal hin; die hab´ ich gern! Ich konnte auch schon beobachten, dass sie Archi ein Leckerli zugesteckt hat, nachdem der da jetzt seit 15 min. ganz brav liegen geblieben ist. Ob ich wohl auch so eins bekommen könnte? Archi schläft. Langsam, ganz langsam erhebe ich mich von meinem Podest und hüpfe auf leisen Sohlen nach unten. Wie gut, dass wir den Teppich haben: der dämpft meine Pfoten ab. Ich schleiche unter dem Couchtisch durch; unter Frauchens Beine und zack bin ich auf der anderen Sessellehne (auf der anderen Seite sitzt der Archi). Arbeite mich elegant auf die breite Rückenlehne des Sessels vor und da sitze ich…=D
    Archi steht zwar auf, macht aber keine Anstalten, mich jagen zu wollen. Schwups, hat der schon den nächsten Hundekeks im Hals. Beagles sollen ja sehr verfressen sein – man sieht es! Ihm allerdings nicht an, da Katzen-Omi bei ihm sehr konsequent ist und den Futterbeutel sehr unter Kontrolle hat.
    Sie greift in ihre Hosentasche und was zieht sie da hervor? Einen Katzenstick. Die kenne ich bisher noch nicht. Scheinen aber gut zu schmecken – so wie es da aus der Tüte duftet. Das merkt auch Archi, aber er begreift: der ist jetzt für mich! Genüsslich mache ich es mir meiner Beute auf der Rückenlehne bequem. Archi schaut von unten aus zu. Ätsch… nein, er bekommt ausnahmsweise noch ein letztes Leckerli. Dann ist für ihn Feierabend.

    Das Frauen-Geplauder nimmt seinen Lauf und ich döse entspannt auf meiner Lehne ein. Es ist mittlerweile dunkel geworden; der Frauenbesuch inkl. Archi nach Hause gegangen. Frauchen werkelt in der Küche rum. Riecht gut, was sie da in der Pfanne brutzelt. Riecht nach… kleinen Frikadellchen…=D
    Ich tue erst mal völlig desinteressiert und Frauchen kauft mir meine gelungene Show auch ab…
    Sie hat den Tisch im Esszimmer bereits reichhaltig gedeckt. Es soll ein kaltes Buffet mit allerlei kleinen Köstlichkeiten geben. Ja, ich rieche es schon!
    Frauchen geht also ins Bad, um sich aufzuhübschen. Ich finde zwar, sie hat das gar nicht nötig – für mich ist sie eh´ das schönste, liebste und beste Frauchen überhaupt – aber bei den jungen Damen gehört das wohl irgendwie dazu. Ich persönlich lecke mir 1-2 x mit der Pfote durchs Gesicht und das Fell steht, aber die Menschenfrauen brauchen dafür etwas länger…
    Mein Glück…

    Frauchen also im Bad… Bahn frei: ich lasse mich noch mal eben zur Sicherheit im Badezimmer blicken, dann nehme ich Kurs auf den Esszimmertisch, auf dem die Frikadellchen auf mich warten… Ich horche. Frauchen summt mal wieder im Bad. Mann, die hat aber heute gute Laune… - das MUSS ich einfach nutzen…
    Nicht lang fackeln: Anlauf, Sprung und…


    gelandet. Leider habe ich mit der einen Pfote einen Teller berührt. Das blöde Ding hat geklappert. Mist. Frauchen kommt in meine Richtung. Ich höre ihre Schritte. Nun aber… wenn nicht jetzt dann nie…
    Ich schnappe mir also beherzt eine Frikadelle und da kommt Frauchen auch schon um die Ecke gesaust… Au, weia, das gibt Ärger!!

    Nix wie weg… ich gebe Gummi und Frauchen hinterher. Hey, das macht Spaß! Fangen spielen mit Frauchen…=D Leider ist die Frikadelle doch schwerer als gedacht und fressen, Luft holen und schnell die Biege machen… alles gleichzeitig bekomme ich irgendwie nicht gut hin. Ich lasse also die Reste fallen; mache eine elegante Wendung und düse Richtung Schlafzimmer. Vielleicht passe ich ja unter´s Bett?!? Mist, ich bin zu groß! Na, dann… ich ergebe mich mit treuherzigem Blick. Weiß ja, dass man das nicht machen darf, aber es hat soooo´n Spaß gemacht!!!
    Frauchen sieht mich mit strengem Blick an, sagt, dass das nicht in Ordnung war; ich das nicht noch einmal machen solle und sie hätte mich trotzdem lieb´! Hä, keine Schläge?! Kein Streichel- oder Futterentzug… ich wusste doch = mein Frauchen ist die Beste!!!

    Puh´ gerade noch mal davon gekommen. Ich schnaufe gerade durch, da klingelt es schon wieder an der Tür. Ach, ja, die Mädels kommen…
    Näschen gereckt, Schwänzgen in die Höhe und fröhlich maunzend begrüße ich „meine“ Gäste. Drei von denen kenne ich schon. Ein kurzes „Hallo Nelly, Du bist ja ne´ Süße! Und schon geht´s mit dem Kraulen los! Schöööön….

    Die Mädels hocken sich aufs Sofa; 2 davon auf einen Sessel. Wen suche ich mir denn mal zum Kuscheln aus?!? Sehen alle nett aus… da ist eine junge Frau dabei, die als Kind schlechte Erfahrungen mit Miezekatzen gemacht hat (der Blödian ist ihr mit ausgefahrenen Krallen am nackten Oberschenkel nach unten gerutscht; seitdem hat sie großen Respekt vor Katzen aller Art. Kann ich verstehen, wenn ihr ein Artgenosse mal so blöd gekommen ist, aber vielleicht kann ich sie ja vom Gegenteil überzeugen?!? So nach dem Motto: „Nicht alle Katzen sind doof!“). Diese eine suche ich mir also aus. Prima, der Schoß ist frei! Ich bemerke, wie sie sich versteift und lasse meine Krallen mal besser drin. Die brauche ich ja jetzt nicht. Was kann ich noch tun, um ihr die Angst zu nehmen?!?
    Schnurren = das soll eine beruhigende Wirkung auf Menschen haben. Ich lege mich also kräftig ins Zeug und nach einer Weile bemerke ich, wie sich die junge Frau langsam entspannt. Hurra, ich darf auf ihrem schönen Schoß liegen bleiben.
    Als jedoch die ersten Damen aufstehen, um sich am Buffet zu bedienen, muß ich leider runter… schade! Die angebissene Frikadelle hat Frauchen natürlich längst entfernt und nun machen sich alle fröhlich über das Essen her. Außer mir…
    Na, dann gehe ich eben in den Flur und schaue da mal nach, ob sich noch was Feines für mich findet… Möööp, leider keine Frikadelle – nur Katzenfutter…
    Na, ja, immer noch besser als den Fraß mit zig anderen Miezies teilen zu müssen.
    Hier kann ich wenigstens in Ruhe essen und mich danach auf´s Ohr hauen. Das mache ich dann auch. Im Hintergrund das fröhliche Geplapper der Mädels…
     
    #1
  2. 15.02.12
    Sude
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    Sude

    Hallo Kräuterhexe,

    wieder so eine tolle Geschichte zum Schmunzeln. Du solltest wirklich unter die Kinderbuchautoren gehen. Auch wir Erwachsenen haben aber unseren Spaß an Deinen Geschichten, sie sind so liebevoll beobachtet, und die Tiere werden richtig plastisch, gaaanz toll!!

    Wann gibt es die nächste Folge? Bin schon ganz gespannt.

    Liebe Grüße
    Sude
     
    #2
  3. 15.02.12
    Marmeladenköchin
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    Marmeladenköchin Marmeladen Hexe

    Hallole Kräuterhexe,

    ich kann mich da Sude nur anschliessen.. supper supper schön und so
    wirklich bildlich erzählt.. ich hoffe Du lässt uns weitere Geschichten hören.

    gruss uschi
     
    #3
  4. 18.02.12
    Metrowolf
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    Metrowolf

    :)
     
    #4
  5. 18.02.12
    Kraeuterhexe75
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    Kraeuterhexe75

    Hallo zusammen,

    da freue ich mich aber... danke schön!

    Den nächsten Beitrag gibt es Mitte März (dann kommt auch der Tony offiziell dazu).

    Ja, den Tipp mit den Kinderbuch-Autorin... habe ich häufiger bekommen...:oops::oops::oops:
    Habe mich mal ein bißchen mit dem Thema beschäftigt und je mehr ich darüber lese, desto
    entmutigter werde ich... "Keine Kurzgeschichten", "Keine Trivialliteratur", "nur anspruchsvolle Skripte einsenden"...
    tja... ich weiß nicht so recht, ob das der richtige Weg für mich ist...
    Es ist ja "nur" eine liebevolle Erinnerung an eine tolle Katze... kein pädogischer Hintergrund o.ä.
    Und Autoren schreiben nicht nur ein Buch... da müßte ja auch noch mehr rauskommen... sicher... es gibt noch einige Tiere, mit denen ich zusammengelebt habe und denen man eine Stimme verpassen könnte (oder auch komplett ausgedacht)... aber man darf nicht vergessen... ich bin KEINE Autorin... ich schreibsuliere mir nur was zusammen... und ich habe einen Hauptberuf... und als Autorin würde ich mich nie bezeichnen... da sind so Worte wie "Spannungsbogen" oder "wiederkehrende Erkennungsmerkmale" gefallen... und ich möchte die Nelly-Geschichten weiterhin völlig unbelastet schreiben können (und nicht nach Vorgaben, um das Büchlein zu vermarkten).
    Außerdem haben die Agenturen so Zusätze drin wie "Die Sichtung des Skripts ist kostenlos. Um das Skript im Einzelfall verlagstauglich zu machen, können evtl. Verbesserungsvorschläge anfallen... die sind kostenpflichtig und werden vorher individuell ausgehandelt"... Nein, danke schön... die Nelly-Geschichten sollen Freude machen... keine Kosten!

    Dennoch freue ich mich sehr über die Komplimente! Und ich freue mich "diebisch", denn ich weiß ja schon, was da noch alles kommt...=D=D=D (8 Kapitel sind bereits fertig)...

    Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende... auf mich wartet gleich der Putzlappen und der Staubsauger...

    Liebe Grüße,
    Katrin (mit Nelly im Herzen und Tony... der schnarcht auf dem Sofa... noch... er haßt den Staubsauger)
     
    #5

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