"Unsere Kiki geben wir nicht mehr her!"

Dieses Thema im Forum "Fellkinder" wurde erstellt von Kraeuterhexe75, 09.12.11.

  1. 09.12.11
    Kraeuterhexe75
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    Kraeuterhexe75

    Diese - wahre - Geschichte wurde mir von einer lieben Katzenfreundin geschickt.
    Mit freundlicher Genehmigung stelle ich sie hier ein: DANKE, Anne!


    „Kiki geben wir nicht wieder her!“


    Wie so oft zu dieser Zeit war ich im Tierheim Brinkum und besuchte die Katzen in der Quarantäne-Station. Eine Mitarbeiterin bat mich um Rat für einen Neuzugang. Es handelte sich um die fast 15jährige Kiki, die in der Woche zuvor abgegeben wurde, weil ihre Halterin ins Pflegeheim musste. Diese Katze ließ keinen an sich heran, fauchte, knurrte und spuckte, wenn man ihr zu nahe kam. Seit einer Woche hatte sie nichts gefressen und versteckte sich die ganze Zeit in ihrer Transportbox, mit der sie ins Tierheim gebracht wurde. Von der Vorgeschichte wusste man nur, dass Kiki in Wohnungshaltung mit der älteren Dame allein gelebt hatte.

    Die Tierpflegerin erhoffte sich von mir die Empfehlung passender Bachblüten, um die Katze zu beruhigen und aufgeschlossener werden zu lassen. Als ich an das Gitter der Box trat, war nichts von der Katze zu sehen, umso mehr aber zu hören. Sie knurrte und fauchte bedrohlich. Das arme Tier tat mir sehr leid, sie musste ja völlig traumatisiert sein. Bald 15 Jahre alt, aus der gewohnten und wahrscheinlich ruhigen Umgebung gerissen, fand sie sich nun völlig allein zwischen laut miauenden Nachbarkatzen wieder, in einer fremden Umgebung mit unbekannten Menschen. Arme Katze! So ähnlich bedauerte ich sie laut und erntete dafür Knurren und Fauchen. Nach einer Woche ohne Nahrung musste nun schnell etwas passieren. Es war auch nicht bekannt, ob sie wenigstens Wasser zu sich genommen hatte. Ich schob ihr ein besonders leckeres Futter vor die Nase und redete beruhigend auf sie ein, was sie wiederum mit bedrohlichen Lauten quittierte. Plötzlich gab sie zwischen dem Knurren und Fauchen ein einziges klägliches „MIAU“ von sich. Dieses „MIAU“ berührte mich zutiefst und ging mir durch Mark und Bein. Es drückte das ganze Elend aus, die ganzen Qualen, die das arme Tier litt. Es drückte alle Fragen aus: "Wo bin ich? Warum bin ich nicht in meinem Zuhause? Wo ist mein Mensch? Ich will nach Hause...."

    Den ganzen Abend ging mir diese Katze nicht aus dem Sinn. Dieses einfache klägliche MIAU hatte mich so tief berührt, dass ich nicht still sitzen konnte. Ich wusste, diese Katze muss unbedingt schnellstens dort raus. Sie brauchte eine ruhige Umgebung, um wieder zu sich zu finden. Zum Glück habe ich einen verständnisvollen Mann und konnte ihn überzeugen, diese Katze als Pflegling zu uns zu holen. Zumindest solange, bis sie wieder frisst. Glücklicherweise haben wir im Obergeschoss unseres Hauses Räume, in denen unsere eigenen Katzen in der Regel nicht hinkommen. Hier richtete ich Kiki ein Zimmer mit vielen Versteckmöglichkeiten ein. Dort sollte sie zur Ruhe kommen und dann wollte ich ein gutes Zuhause als Einzelkatze für sie finden, wo sie ihren Lebensabend verbringen konnte. Soweit der Plan. Am nächsten Tag holte ich sie zu uns. Bemerkenswerterweise hat sie während der Autofahrt keinen Mucks von sich gegeben. Vielleicht dachte sie, ich bringe sie wieder nach Hause, wer weiß das schon? Hier angekommen, konnte ich sie endlich genauer betrachten. Ein zierliches kleines Wesen mit etwas längerem, zum Teil verfilztem Fell in Schildpatt. Sie versteckte sich sofort, ich stellte ihr Futter hin und ließ sie erst mal in Ruhe. Einige Std. später sah mein Mann nach ihr und stellte fest, dass wir "die Katze zurückbringen können, da sie nun scheinbar wieder frisst". Erstaunlicherweise hat sie die Schüssel bis auf den letzten Krümel geleert. Das hat mich ziemlich erleichtert und natürlich brachten wir sie nicht zurück.

    Die Freude hielt nicht lange an, am nächsten Tag verweigerte sie wieder das Fressen. Ich besuchte alle Geschäfte in unmittelbarer Umgebung ihres ehemaligen Wohnortes und kaufte von allen Futtersorten 1-2 Artikel. Meine Hoffnung war, ihr altbekanntes Futter zu finden. Meistens landete ich leider keinen Treffer. Einmal fraß sie eine Sorte zweimal hintereinander und ich bevorratete mich damit. Leider musste ich jedoch feststellen, dass die Sorte am nächsten Tag nicht mehr angesagt war.

    Nach einigen Tagen bei uns stellte ich fest, dass sie sehr viel erbrach und beim Laufen häufig umfiel. Ich fuhr mit ihr zum Tierarzt, um ein Blutbild anfertigen zu lassen und befürchtete das Schlimmste. Wider Erwarten waren die Nierenwerte gut, allerdings waren andere wichtige Werte außerhalb der Norm. Dadurch war ihr ständig übel und schwindelig. Kein Wunder, dass sie keinen Appetit hatte. Ich flößte ihr fortan Wasser mit homöopathischen Mitteln ein, um den Stoffwechsel anzuregen und Gifte auszuschwemmen. Wider Erwarten ließ sie es sich ohne großen Protest gefallen. Ich kochte ihr Hühnchen mit Reis und landete den großen Treffer! Sie wollte nichts anderes mehr. Am liebsten Hähnchenbrustfilet pur, idealerweise per Handfütterung. Ich kaufte Futterzusätze und bekochte sie, kaufte jedoch auch weiter verschiedene Fertigfuttersorten und bot ihr zwischendurch immer davon an. Irgendwann fraß sie selbständig so gut, dass ich die extra Portion Wasser einstellen konnte. Ihr Gesundheitszustand verbesserte sich durch die regelmäßige Nahrungsaufnahme und liebevolle Fürsorge zusehends.

    So vergingen die Wochen. Ich durfte sie streicheln, aber richtig schmusen auf dem Schoß mochte sie nicht. Natürlich war lange keine Rede mehr davon, das kleine Wesen wieder abzugeben. Sie wohnte oben und es dauerte einige Zeit, bis sie sich die Treppe herunter traute und auch die untere Etage eroberte. Die anderen Katzen beachtete sie gar nicht und wenn einer ihr zu nahe kam, wurde er weggefaucht. Wir mischten uns gar nicht weiter ein und beobachteten nur die Reaktionen der Katzen. Die kleine Kiki konnte sich prima behaupten und die anderen hielten Abstand zu ihr. Sie marschierte unten die Räume ab und verschwand dann wieder nach oben. Die Etagen sind durch eine Schwingtür getrennt, die anderen Katzen gehen bis auf Kiki nicht durch diese "unberechenbare Tür". So hatte sie oben immer ihre Ruhe.

    Die Monate vergingen, Kiki wohnte oben und kam hin und wieder zu Besuch nach unten. Wir hatten schon nicht mehr damit gerechnet, aber nach ca. 8 Monaten blieb Kiki einfach unten. Sie probierte nach und nach alle Lieblingsplätze der anderen aus und o Wunder! Sie erkor sich den Schoß meines Mannes zum Lieblingsplatz. Im Laufe der Zeit hat sie sich zu einer echten Schmusekatze entwickelt. Es ist eine große Freude, sie zu beobachten. Unsere Katzen haben gesicherten Freigang im Garten. Welches Erlebnis für Kiki! Noch niemals hatte sie eine Pfote auf Rasen gesetzt, hat Vögel so aus der Nähe gesehen, hat auf von der Sonne erwärmten Steinen gelegen, hat mit im Wind tanzenden Blättern gespielt. Alles war ein großes Abenteuer für sie, im Wechsel der Jahreszeiten entdeckte sie ständig etwas Neues. Sie spielte wie ein junges Kätzchen mit allem, was sich draußen bewegte, steckte ihr Näschen überall hinein und beobachtete mit großen Augen die dicken Tauben und großen Rabenvögel im Garten. Kiki gehört nun seit fast 2 Jahren zur Familie, hat sich völlig an unseren Lebensrhythmus angepasst. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie anpassungsfähig Katzen sind. Die meisten Menschen wollen junge Katzen in den Haushalt aufnehmen. Aber was gibt es denn Schöneres, als einem älteren Tier mit ausgeprägtem Charakter ein neues Zuhause zu geben? Ein Tier mit seinen kleinen Marotten kennen zu lernen und sein Vertrauen zu gewinnen, ist für mich das wahre Glück. Kiki jedenfalls geben wir nie wieder her!


    Anne Fromm

    -> mein Kommentar dazu: "Aber was gibt es denn Schöneres, als einem älteren Tier mit ausgeprägtem Charakter ein neues Zuhause zu geben? Ein Tier mit seinen kleinen Marotten kennen zu lernen und sein Vertrauen zu gewinnen, ist für mich das wahre Glück."
    ->>> Ich teile diese Meinung ABSOLUT!!! Es muß nicht immer ein kleines, süßes, verspieltes Katzenkind sein - auch ältere Semester haben das Recht auf einen schönen Altersruhesitz!
    Es müßte einfach mehr Menschen geben, die wie Anne denken und HANDELN!!

    Grüße aus dem Norden



     
    #1
  2. 09.12.11
    Hessen-Hexe
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    Hessen-Hexe Chaosbäckerin

    Hallo Katrin,

    wunderbar, ich bin ganz hin und weg!!! Toll von Anne und ihrem Mann!

    Bei uns sind auch einige ältere Tiere gelandet, die ihren Lebensabend in Ruhe verbringen durften und darüber sehr dankbar waren. Das ist einfach etwas ganz Besonderes, ich würde es immer wieder tun.

    Die Katzen kamen zwar als Kitten zu uns, aber ich konnte es kaum erwarten, bis sie endlich ausgewachsen waren und ihren Charakter voll entwickelt hatten. Denn das isses ja, was mich an einem Tier am meisten fasziniert :love7:
     
    #2
  3. 09.12.11
    Doriline
    Offline

    Doriline Geprüfte Anstaltsleiterin Sponsor

    Huhuu...

    zumal man bei einem älteren Tier einfach schon weiß, was man hat! Junge Tiere entwickeln sich oftmals anders als gedacht. Gerade Tieranfängern empfehle ich lieber ein etwas gesetzteres Tier und bis jetzt waren fast alle damit zufrieden:)

    Schöne Geschichte!

    LG, Tina
     
    #3
  4. 30.01.12
    Gänseliesl
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    Gänseliesl

    Hallo,

    eine wunderbare Geschichte, und wenn man daran denkt, daß damit sicher auch der alten Halterin ein riesengroßer Stein vom Herzen gefallen ist, noch schöner!
     
    #4

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